Per Anhalter durch den Stau

Montagmorgen, ein ganz normaler Arbeitstag. Fast ganz normal. Alles normal ausser der Weg. Denn ich muss einmal durch das gesamte lange Davos. Der Bus, normal eine Direktverbindung, lässt mich nun in der Ortsmitte stehen. Die Strasse ist voll, voller leerer Autos, die kaum vorwärts kommen, aber der Anschlussbus ist weit und breit nicht zu sehen. Aussichtslos auf den Bus zu warten. Laufen? Mein Fuss ist verletzt und auf dem Gehweg gerade eine schmale Spur in den kniehohen Schnee geschippt, auf der man selbst ohne Krücken nicht aneinander vorbei kommt.

Mühsam und langsam laufe ich in meine Richtung und halte dabei den Daumen raus, wie so oft während dem WEF, da auf die Busse kein Verlass ist. Niemand hält. Hallo Davos! Ich muss doch auch nur zur Arbeit, eure Autos sind leer und mich einzuladen bedeutet euch nichtmal Zeitverlust.

Nach etwa 20 Minuten hält jemand und ich darf mal wieder in einer schicken schwarzen Limousine mitfahren. Der Fahrer erzählt mir von seinem Job - nirgends parken können, klirrende Kälte, bereits Stunden früher aufbrechen müssen um einen Kunden rechtzeitig abholen zu können in diesem unberechenbaren Verkehr. Der Stress zur rechten Zeit am gewünschten Ort zu sein, da wenn man zu früh da ist, auch nicht davor gewartet werden kann und man wieder in der Endlosschleife hängt. Ja Scheissjob. Was macht man da? Ich schaue zu ihm rüber. Seine Hose ist offen - griffbereit liegt da sein Penis - auf seinem Schoss. Verdammt. Hätte er mich doch nur stehen lassen, wie alle anderen.

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Riner Rosa, WEF 2018